Wasser ist bequem
Heizwasser verteilt sich nicht nach Bedarf, sondern nach Widerstand. Es nimmt den kürzesten, weitesten Weg – zum Heizkörper im Flur neben dem Verteiler, nicht ins Kinderzimmer im zweiten Stock am Ende des Strangs. Ohne Eingriff bekommt der nahe Heizkörper ein Vielfaches dessen, was er braucht, und der ferne einen Bruchteil.
Die übliche Reaktion darauf kennt jeder aus dem Bestand: Die Vorlauftemperatur wird angehoben und die Pumpe eine Stufe höher gestellt, bis auch der letzte Raum warm wird. Dann stimmt die Temperatur überall – und die Anlage läuft dauerhaft über ihrem Bedarf.
Mit der Wärmepumpe wird aus einem Komfortthema ein Kostenthema
Am Gaskessel ließ sich der fehlende Abgleich billig verdecken. Zehn Kelvin mehr Vorlauf kosteten dort wenige Prozent Wirkungsgrad. Eine Wärmepumpe rechnet anders: Jedes Kelvin weniger Vorlauf bringt rund zweieinhalb Prozent mehr Jahresarbeitszahl – und jedes Kelvin mehr kostet entsprechend.
Dazu kommt die Spreizung. Fließt irgendwo zu viel Wasser, kommt es kaum abgekühlt zurück. Der Rücklauf steigt, die Spreizung sinkt, und die Wärmepumpe findet keinen sauberen Arbeitspunkt mehr. Bei kleiner Last taktet sie – kurze Läufe, viele Starts, wenig Laufzeit.
Verfahren A und Verfahren B
Die VdZ unterscheidet zwei Wege zum selben Ziel. Sie trennen sich an der Frage, woher die Zahlen kommen.
| Verfahren A | Verfahren B | |
|---|---|---|
| Heizlast | überschlägig, etwa über Fläche und Baualter | raumweise nach DIN EN 12831-1 |
| Heizflächen | angenommen | je Raum erfasst und nachgerechnet |
| Rohrnetz | pauschal abgeschätzt | mit Längen und Querschnitten berechnet |
| Ergebnis | Richtwerte für die Voreinstellung | Volumenstrom, Ventilwert und Förderhöhe je Strang |
| BEG-Förderung | nicht zulässig | gefordert |
Verfahren A ist schneller und in manchen Bestandsfällen besser als gar nichts. Für eine Wärmepumpe taugt es nicht: Wer die Vorlauftemperatur auf 40 °C drücken will, darf sich die Heizlast nicht schätzen.
Die Grundlage steht im Heizlast-Ratgeber Verfahren B beginnt nicht am Ventil, sondern bei der raumweisen Berechnung. Warum wir dafür argumentieren und welche Vereinfachungen die Norm erlaubt.
Zur HeizlastberechnungVon der Raumheizlast zur Zahl am Ventil
Der Rechenweg hat drei Stufen. Jede baut auf der vorigen auf, und keine lässt sich überspringen.
Erstens der Volumenstrom. Aus der Leistung, die eine Heizfläche abgeben muss, und der geplanten Spreizung ergibt sich, wie viel Wasser durch sie hindurch muss.
V̇ = Q / (1,163 · Δϑ) V̇ = Volumenstrom in l/h · Q = Leistung der Heizfläche in W · 1,163 Wh/(kg·K) = spezifische Wärmekapazität von Wasser · Δϑ = Spreizung zwischen Vor- und Rücklauf in KEin Heizkörper mit 1.200 W und 5 K Spreizung braucht demnach rund 206 l/h. Dieselbe Heizfläche mit 10 K Spreizung käme mit der Hälfte aus – weshalb die gewählte Spreizung das ganze Rohrnetz prägt und nicht nebenbei festgelegt werden sollte.
Zweitens der Druckverlust. Für jeden Strang wird gerechnet, welcher Widerstand bei diesem Volumenstrom entsteht – aus Rohrlängen, Querschnitten, Bögen und Armaturen. Der ungünstigste Weg bestimmt, was die Pumpe leisten muss.
Drittens die Voreinstellung. Alle kürzeren Wege haben Überschuss, der weggedrosselt werden muss. Wie weit, sagt der kv-Wert: Er beschreibt, welchen Volumenstrom ein Ventil bei einem bestimmten Druckabfall durchlässt.
kv = V̇ / √Δp kv in m³/h · V̇ = Volumenstrom in m³/h · Δp = Druckdifferenz über dem Ventil in barAus dem kv-Wert liest man in der Ventilkennlinie des Herstellers die Stufe ab, auf die das Thermostatventil eingestellt wird. Diese Zahl ist das eigentliche Ergebnis des Abgleichs – alles davor ist Vorarbeit.
Volumenstrom und Spreizung für einen Heizkörper Normleistung, Exponent und Systemtemperatur eingeben, Leistung, Volumenstrom und Spreizung ablesen.
HeizkörperrechnerPflicht und Nachweis
Zwei Regelwerke verlangen den Abgleich aus verschiedenen Gründen: das Gesetz für bestimmte Gebäude, die Förderung für ihr Geld.
Gesetzlich greift § 60c des Gebäudemodernisierungsgesetzes – so heißt das frühere Gebäudeenergiegesetz inzwischen. Er verlangt den hydraulischen Abgleich nach dem Einbau einer Heizungsanlage bei Gebäuden mit mindestens sechs Wohnungen oder sonstigen selbständigen Nutzungseinheiten. Schriftlich festzuhalten und dem Verantwortlichen mitzuteilen sind die Einstellungswerte, die Gebäudeheizlast und die eingestellte Leistung des Wärmeerzeugers, die raumweise Heizlastberechnung, die Auslegungstemperatur, die Reglereinstellung und der Vordruck im Ausdehnungsgefäß. Mieter können diese Angaben verlangen.
Daneben steht die Heizungsprüfung nach § 60b für wasserbasierte Anlagen ab sechs Einheiten – Wärmepumpen sind davon ausgenommen. Anlagen, die vor dem 1. Oktober 2009 eingebaut wurden, müssen bis zum 30. September 2027 geprüft sein; jüngere innerhalb eines Jahres, nachdem sie fünfzehn Jahre alt geworden sind.
Für die BEG-Förderung ist Verfahren B gefordert, Verfahren A genügt seit 2023 nicht mehr. Der Nachweis läuft über die Formulare der VdZ, die der ausführende Fachbetrieb ausfüllt. Ob sie mit dem Antrag einzureichen oder nur aufzubewahren sind, hängt vom Programm ab – das steht in den Bedingungen von BAFA und KfW, die sich häufiger ändern als die Technik.
Was an Förderung drin ist Grundförderung, Klimageschwindigkeits-, Einkommens- und Effizienzbonus für die neue Heizung – überschlägig gerechnet.
FördergeldrechnerWoran es in der Praxis scheitert
- Abgleich ohne Heizlast. Einstellwerte aus einer Faustformel sind keine Berechnung. Sie verteilen den Fehler nur gleichmäßiger.
- Ventile ohne Voreinstellung. Ältere Thermostatventile lassen sich nicht drosseln. Ohne Tausch der Ventileinsätze bleibt jede Berechnung Theorie.
- Das Überströmventil bleibt offen. Es war einmal nötig, um die Pumpe zu schützen. Nach dem Abgleich führt es einen Teil des Wassers am Gebäude vorbei und hebt den Rücklauf.
- Die Pumpe läuft auf konstanter Stufe. Nach dem Abgleich gehört sie auf Differenzdruckregelung und die berechnete Förderhöhe – sonst drückt sie weiter gegen die eingestellten Ventile.
- Fußbodenheizkreise ohne Durchflussanzeiger. Am Verteiler ohne Messmöglichkeit lässt sich der berechnete Volumenstrom nicht einstellen, nur erraten.
- Nach dem Heizkörpertausch nichts angepasst. Eine neue Heizfläche braucht einen neuen Volumenstrom – und damit eine neue Voreinstellung im ganzen Strang.
Herstellerneutral zusammengestellt von der Redaktion SHK INFO. Angaben nach bestem Wissen, ersetzen aber keine Planung im Einzelfall. Verbindlich ist immer die Berechnung für das konkrete Gebäude; für Förderbedingungen gilt der Stand bei BAFA und KfW.