Jedes Kelvin zählt
Eine Wärmepumpe arbeitet umso effizienter, je kleiner der Temperaturhub zwischen Wärmequelle und Heizwasser ist. Als Faustwert gilt: jedes Kelvin weniger Vorlauftemperatur bringt etwa 2,5 Prozent mehr Jahresarbeitszahl.
Von 55 °C auf 45 °C herunterzukommen bedeutet grob ein Viertel weniger Stromverbrauch – über zwanzig Jahre ein fünfstelliger Betrag. Die Arbeit an den Heizflächen lohnt deshalb regelmäßig mehr als die Suche nach dem effizientesten Gerät.
Was ein Heizkörper bei weniger Vorlauf noch leistet
Heizkörper tragen eine Normleistung, gemessen bei 75/65/20 °C. Bei niedrigerer Vorlauftemperatur sinkt die Leistung – nicht linear, sondern mit einem Exponenten.
Q = QN · (ΔTlog / 49,83)n QN = Normleistung bei 75/65/20 · ΔTlog = logarithmische Übertemperatur im Betriebsfall · n = Heizkörperexponent, typisch 1,25 bis 1,35| Systemtemperatur | Restleistung |
|---|---|
| 75/65/20 (Norm) | 100 % |
| 65/55/20 | rund 72 % |
| 55/45/20 | rund 49 % |
| 45/35/20 | rund 29 % |
Die Werte gelten für einen Exponenten von 1,30 und sind Anhaltspunkte – der genaue Wert steht im Datenblatt.
Für den konkreten Heizkörper nachrechnen Mit Normleistung, Exponent und gewünschter Vorlauftemperatur – inklusive Volumenstrom und Spreizung.
HeizkörperrechnerErst abgleichen, dann gezielt tauschen
Die verbreitete Reaktion auf zu hohe Vorlauftemperaturen ist, alle Heizkörper zu tauschen. Das ist teuer und meist unnötig.
- Hydraulischer Abgleich nach Verfahren B. Vor jedem Tausch, und für die Förderung ohnehin vorgeschrieben.
- Thermostatventile und Verschraubungen prüfen. Alte Ventile ohne Voreinstellung machen jeden Abgleich unmöglich.
- Einzelne Heizkörper tauschen. Typ 22 statt Typ 11 oder Typ 33 statt Typ 22 bringt bei gleichem Bauraum oft die doppelte Leistung – nur in den Räumen, die es brauchen.
- Gebläsekonvektoren, wo kein Platz für größere Flächen ist. Leisten auch bei 40 °C Vorlauf noch ordentlich, brauchen aber Strom und machen Geräusch.
- Flächenheizung nachrüsten. Die beste Lösung, der größte Eingriff. Im Trockenbau auch in Wand oder Decke möglich.
Hydraulischer Abgleich nach Verfahren B
Ohne Abgleich fließt das Heizwasser dorthin, wo der Widerstand am kleinsten ist – meist zu den Heizkörpern nahe der Pumpe. Die entfernten Räume bleiben kühl, und um sie warm zu bekommen, wird die Vorlauftemperatur angehoben. Genau das, was man bei einer Wärmepumpe nicht will. Wie aus der Raumheizlast die Einstellzahl am Ventil wird, steht ausführlich im Ratgeber zum hydraulischen Abgleich.
Den kritischen Raum finden
Aus der raumweisen Heizlast und den vorhandenen Heizflächen ergibt sich für jeden Raum eine erforderliche Vorlauftemperatur. Die höchste davon bestimmt die Anlage.
Typische Kandidaten: das Bad, weil dort 24 °C statt 20 °C gefordert sind und der Handtuchheizkörper wenig leistet. Räume mit zwei Außenwänden und großen Fenstern. Und Zimmer, in denen der Heizkörper beim Fenstertausch nie angepasst wurde.
Ein Badheizkörper, der auch als Handtuchwärmer dient, wird in der Berechnung übrigens meist nur mit reduzierter Leistung angesetzt – behängt gibt er weniger ab. Wer ihn zur Raumheizung braucht, muss das in der Auslegung berücksichtigen.
Herstellerneutral zusammengestellt von der Redaktion SHK INFO. Angaben nach bestem Wissen, ersetzen aber keine Planung im Einzelfall. Verbindlich ist immer die Berechnung für das konkrete Gebäude.