Anders als Gas und Öl
Beim Hausbau oder beim Austausch einer defekten Heizung ist die Wahl des neuen Systems eine Entscheidung für Jahrzehnte. Eine effiziente, auf das Gebäude abgestimmte Anlage spart langfristig erhebliche Kosten. Im Neubau ist die Wärmepumpe längst Standard, und auch im Bestand lässt sie sich sehr gut einsetzen. Sie verhält sich aber in einigen Punkten grundlegend anders als ein Gas- oder Ölkessel. Fünf Unterschiede, die man kennen sollte.



1. Die Vorlauftemperatur entscheidet
Im Neubau wird bevorzugt mit Fußbodenheizung gearbeitet, die mit niedrigen Vorlauftemperaturen auskommt. Im Bestand hängen dagegen oft Heizkörper, die für 70 °C Vorlauf ausgelegt wurden. Bei solchen Temperaturen ist der Betrieb einer Wärmepumpe nicht mehr wirtschaftlich, weil der Verdichter sehr viel Strom aufbringen muss, um die Differenz zwischen Umwelttemperatur und gefordertem Niveau zu überwinden. Als grober Richtwert gilt: Bis etwa 55 °C Vorlauftemperatur am kältesten Tag ist eine Wärmepumpe sinnvoll, darunter wird es richtig effizient. Oft lässt sich das Heizsystem mit wenigen Maßnahmen auf eine niedrigere Temperatur bringen – siehe Heizflächen optimieren.
2. Estrichtrocknung braucht einen zweiten Wärmeerzeuger
Beim Estrich kommt viel Feuchtigkeit ins Gebäude, die vor dem Bodenbelag ausgeheizt werden muss. Dafür ist ein festgelegtes Aufheizprogramm nötig, das deutlich mehr Leistung verlangt als der spätere Heizbetrieb. Oft steht der Wärmepumpe diese Leistung nicht zur Verfügung; dann übernimmt der integrierte Elektroheizstab oder ein mobiler Heizer. Eine Erdsonde darf für die Estrichtrocknung nicht herangezogen werden – die Überlastung kann die Sonde dauerhaft schädigen.
3. Die Lebensdauer hängt vom Betrieb ab
Ein Gas-Wandgerät hält etwa 15 bis 20 Jahre, ein Standkessel 20 bis 25 Jahre, eine Wärmepumpe rund 20 bis 25 Jahre. Der richtige Betrieb ist dabei der wichtigste Faktor: Ständiges Ein- und Ausschalten führt zum frühen Ausfall des Verdichters – des teuersten Bauteils. Das passiert, wenn die Anlage nicht zum Gebäude passt, und die Reparatur bedeutet oft das Ende der Anlage. Mehr dazu im Ratgeber Lebensdauer und Betriebssicherheit.
4. Warmwasser braucht Planung
Eine Wärmepumpe hat deutlich weniger Heizleistung als ein Gasgerät. Läuft im Neubau eine Wärmepumpe mit 5 kW, reicht die Leistung nicht, um einen Warmwasserspeicher schnell wieder aufzuheizen. Ist der 200-Liter-Speicher nach einer Badewanne leer, dauert es, bis wieder Warmwasser bereitsteht. Deshalb gehören Speichergröße, Wärmetauscherfläche und Ladezeiten in die Planung – nicht in die Nachbesserung.
5. Lange Laufzeiten statt Takten
Früher kannte man es so: Die Heizung sprang an, erreichte schnell ihre Temperatur, ging aus und kurz darauf wieder an. Bei der Wärmepumpe ist dieses Takten zu vermeiden, weil es die Lebensdauer verkürzt. Ist die Anlage richtig auf das Gebäude eingestellt, läuft sie mehrere Stunden am Stück durch. Zu beachten ist außerdem der Netzanschluss: Seit 2024 darf der Netzbetreiber die Leistung neuer Wärmepumpen bei Netzengpässen nach § 14a EnWG zeitweise auf 4,2 kW begrenzen – früher gab es dafür feste Sperrzeiten von bis zu dreimal zwei Stunden am Tag. Die Auslegung berücksichtigt das, meist über das Speichervolumen.
Herstellerneutral zusammengestellt von der Redaktion SHK INFO. Zuerst erschienen am 23. Januar 2021 als „5 Fakten zu Wärmepumpen“ im SHK-Info-Blog, für die neue Seite überarbeitet im Oktober 2026. Angaben nach bestem Wissen, ersetzen aber keine Prüfung der Anlage im Einzelfall.